Lutherstadt Wittenberg – Auf den Spuren der Reformation

Für einige Menschen ist die Kleinstadt an der Elbe, zwischen Berlin und Leipzig weniger interessant. Eine ganz gewöhnliche Stadt ist sie allerdings nur für jene, die sich nicht mit Geschichte und der Reformation der Kirche auskennen. Denn diese so unscheinbare Stadt ist die Wiege der Reformation und lockte bisweilen jährlich Millionen Touristen aus aller Herrenländer an. Dabei stehen natürlich die Wirkungsstätten des Reformators im Fokus. Angefangen bei der weltbekannten Schlosskirche, an dessen Tür einst sein Schüler die bekannten 95 Thesen gegen den Ablasshandel anbringen ließ. Der Thesenanschlag fand am 31.10.1517 statt und wird noch immer am selbigen Tag ausgiebig gefeiert. Das Reformationsfest in der Lutherstadt wurde zum Publikumsmagneten schlecht hin.

500 Jahre Reformation

Vor genau drei Jahren stand die Stadt für ein gesamtes Jahr über regelrecht Kopf. Denn die 500 Jahr Feier zur Reformation war ein unbeschreibliches Highlight. Mit vielen Gedenkveranstaltungen, Lesungen und Führungen wurden nicht nur interessierte Wittenberger auf das große Fest eingestimmt, sondern selbstverständlich auch die zahlreichen Besucher.

Nicht nur Gläubige waren von der Imposanz und Schönheit angetan. Es war ein rundum gelungenes Fest, welches sich über mehrere Monate hinwegzog. Im Jahr 2017 wurde der Reformationstag einmalig zu einem bundesweiten Feiertag ausgerufen, um der 500 Jahre einheitlich zu gedenken.

Zu Ehren der 500 Jahre wurde eigens das Assisi Panorama mit der Darstellung der Stadt zur Zeit des Reformators errichtet. Noch heute dürfen sich Besucher das überdimensionale Kunstwerk anschauen. Allerdings natürlich unter den gegebenen Auflagen und Vorschriften.

Das Mittelalter hautnah erleben

Jedes Jahr findet in der Lutherstadt nicht nur traditionell das Reformationsfest statt, sondern im Juni das bekannte Mittelalterfest Luther’s Hochzeit. Gäste und Einheimische begeben sich auf eine mystische Zeitreise in das 16. Jahrhundert. Während die meisten Gäste aus fern und nah sich den offiziellen Veranstaltungen und größeren Konzerten am Samstagabend widmen, heißt es für die Einheimischen am Freitagabend so richtig eintauchen, in das mystische Mittelalter. Beim traditionellen Pestumzug um Mitternacht, bei Fackelschein und traditioneller Musik fällt es niemanden mehr schwer, zu denken man wäre in der Tat durch die Zeit gereist. Die Schausteller haben es in den letzten Jahren perfektionieren können, sodass Kunst, Schauspiel und Realität miteinander verschmolzen. Vor einer schier atemberaubenden Kulisse der alten Bauwerke und Kirchen war Geschichte zum Greifen nah.

In diesem Jahr war natürlich alles anders. Sämtliche Mittelalterfeste wurden abgesagt und für einige Schausteller war es ein sehr hartes Jahr. Überall hoffen jetzt Anhänger dieser Märkte und Feste, dass es im nächsten Jahr eine bessere Lösung geben wird. Bis dahin muss man sich mit den Erinnerungen vergnügen.

Luther war kein Kostverächter

Viele kennen den alten Reformator nur als Begründer der Trennung zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Doch wer etwas genauer hinschaut, weiß, dass es kein Heiliger war. Schon allein die Eheschließung mit Katharina von Bora war zu jener Zeit ein handfester Skandal. Doch damit begnügte er sich natürlich nicht. Er nahm alles mit, was das Leben versüßte. So erzählt man sich selbst heute noch, dass er von Cannabis Kenntnis hatte. Immerhin wurde es in den Übersetzungen der Bibel erwähnt. Die CBD Wirkung als solche wird er wohl nicht gekannt haben, denn zu jener Zeit waren Hanfpflanzen vor allem im vorderen Orient anzutreffen. Daher auch die Erwähnung in der Übersetzung.

Doch Wein und Bier galten zu jenen Zeiten als Grundnahrungsmittel und wurden gern in größeren Mengen konsumiert. Selbst wenn der Reformator öffentlich sich gegen Trinkgelage aussprach so möchte man selbst heute nicht wirklich wissen, was sich hinter so manch einer Tür abspielte.

Fazit

In diesen doch sehr schweren Zeiten helfen nur Erinnerungen an die Mittelalterfeste. Dabei stehen Städte wie die hier erwähnte Lutherstadt Wittenberg bei vielen Besuchern im Fokus. Nicht nur als Wirkungsstätte als solche, sondern schlicht weg, weil sie bis heute den Altstadtkern bewahren konnte und somit Geschichte zum Anfassen bietet.